Die Psychiatrie ist eine sehr moderne medizinische Fachrichtung. Sie beginnt dort, wo die mittelbare Messbarkeit der Medizin endet. Der Psychiater dient als Dolmetscher der Seele.

Die persönliche Begegnung und das offene Gespräch bilden die Basis der therapeutischen Beziehung. Als wichtigste Informationsquelle dient der psychiatrischen Diagnostik der Patient. Neben der Biographie des Seelenlebens spielt die Erhebung der körperlichen Vorgeschichte eine wichtige Rolle. Da sich die Psyche des Körpers bedient, um Missstände zu signalisieren, gilt es, genau zuzuhören. Der Patient hat immer recht.

Eine einzelne Diagnose, wie sie die Krankenkasse verlangt, kann dem Beschwerdebild nie umfänglich gerecht werden. Entscheidend ist aber, dass es die richtige Richtung ist. So sehe ich zum Beispiel einen wesentlichen Unterschied darin, ob ein Mensch primär unter Sorgen, Überlastung oder Schwermut leidet, auch wenn es jeweils in einer gelebten Depression gemündet ist.

Jegliche Behandlung kann nur helfen, wenn ein aufgeklärter Patient sie mitträgt. Das trifft auf die Psychotherapie genauso zu wie auf eine Psychopharmakotherapie. Sie ist so kompliziert wie das Wort. Es gibt einige gute Medikamente, die wohlüberlegt und wohldosiert eingesetzt helfen können. Im Bauchladen der Behandlungsmöglichkeiten wäre Cannabis als Medizin gut aufgehoben.

Übermäßiges Verhalten – ob Substanzkonsum, Arbeit, Sport, Sex, Computer oder Helfen – ist meines Erachtens ein Ausdruck von versuchter Symptomkontrolle und keine eigentliche Suchterkrankung. Die Wahl des Mittels gibt einen Hinweis auf das gesuchte Gefühl.